
Anlässlich ihres „Zehnjährigen“ starteten die vier Mitglieder des wahrscheinlich kleinsten Motorradclubs in Willingen zu einer Tour Richtung Süden. Ziel war die Mittelmosel mit dem Kleinod Bernkastel–Kues. Die vier Mitglieder sind Manfred Burger („Schurgel“), Franz-Josef Tennbrock („Juppi“) Heinrich Kramer („Bauer“) und Hermann Bäringhausen („Bälzer“). Als Gastfahrer war Dieter Dietz ebenfalls mit von der Partie.
Vor zehn Jahren kam den genannten vier Herren – die meisten schon damals dem jugendlichen Alten um Meilen entrückt – die glorreiche Idee, auf den Spuren von „Easy Rider“ unser herrliches Deutschland zu erkunden. Zu diesem Zwecke mussten aber erst einmal zwei der Biker in den Besitz der notwenigen Fahrerlaubnis kommen. Dies klappte problemlos. Dann wurden die „Moppeds“ angeschafft, fast alles ziemlich „zahme“ Geräte. Nach einigen Tages-Übungstouren führte die erste längere Reise an die Mosel. Dies war bei allen der Grundstein für eine tief gehende Begeisterung für diese Region (Rhein, Mosel, Ahr). Fast in jedem Jahr führte den Weg in diese Ecke, denn schnell hatten die Willinger ihre Vorliebe für „untrockenen, süffigen Wein“ entdeckt, Kopfschmerzen inklusive. Bei allen Touren sind viele Fotos entstanden, die in einem Album die Historie des Clubs für die Ewigkeit dokumentieren. Die Bilder zeigen Impressionen von Kälte- und Nebelfahrten, unglaubliche Regenfahrten und vielen Schönwetter-Ausflügen zu den unterschiedlichsten Zielen. Viele schöne Geschichten sind in Erinnerung geblieben. Hermann Bäringhausen hat für UPLAND-TIPS einige zusammengefasst: „Einmal bei einer Hitzefahrt in den Schwarzwald gerieten wir bei 37 Grad Celsius in einen Megastau. Kurz bevor unsere Körpersäfte zu kochen begannen, machten wir uns unter Missachtung jeglicher Verkehrsregeln über den Standstreifen auf und davon. Am Anfang unserer Zeit drehte sich eigentlich alles ums Motorradfahren. Das hat sich im Laufe der Jahre etwas geändert. Die Mopeds sind dicker geworden, genau wie unsere Bäuche. Dafür wurden die Haare dünner und grau, was uns aber die Laune nicht verdirbt. Maschinen unter tausend Kubik sind nun mal ‚Zwiebacksägen’ und bei uns nicht angesagt.“In der jüngeren Vergangenheit des Clubs gab es tatsächlich Touren, wo sich das Fahren auf die An- und Abreise beschränkte. In der Zwischenzeit ist das Freizeitvergnügen Trumpf, natürlich immer mit mancherlei „Spökes“ garniert.Hermann Bäringhausen erzählt weiter: „Wir machten auch Schiffsfahrten auf Rhein, Mosel und Neckar bei süßem Wein und meist schlechtem Essen, wir fuhren mit der nostalgischen Dampfeisenbahn, bei warmem Bier und süßen Schnäpsen auf den Brocken.“ Zum einem beliebten Reiseziel zählt auch das Steinhuder Meer. „Dort haben wir ein Stammquartier und ein ganz besonderes Ritual: Eine Fahrt in einem Elektroboot mit unserem Skipper ‚KaLeu Bauer’, dem wir neben dem Dienstgrad auch das Patent und die Mütze verliehen haben. Bei seinen Anlegemanövern stehen dem Bootsverleiher jedes Mal sämtliche drei Harre zu Berge. Wie gesagt, Bauer steuert und der Rest liegt im Boot, meist ein Fuß im Wasser, halt wie die ‚Schnegel’ (Willinger platt = Schnecken)“Regelmäßig sehr viel Mühe bereitet den Willingern die Zimmerbeschaffung. Besonders bei Fahrten ohne festes Ziel, von Ort zu Ort, ist es nicht immer leicht, eine passende Unterkunft zu finden, denn die Jungs legen besonderen Wert darauf, dass jeder ein Einzelzimmer bekommt und dies nach Möglichkeit im Vier-Sterne-Bereich, am besten natürlich zum Preis von maximal zwei Sternen. Oft hat man Glück gehabt, manches Mal aber auch in urigen Kaschemmen gepennt. In diesem Zusammenhang hat der „Bälzer“ noch eine lustige Story auf Lager: „Einmal checkten wir bei einer dicken, außergewöhnlich frechen und sehr ungepflegten Wirtin ein. Sie bekam von uns den Spitznamen ‚Schmalz-Docke’. Das Schärfste an dieser Unterkunft waren allerdings die Zimmer. Es handelte sich um indische Zimmer – Toilette jenseits des Ganges. Diese Toilette entpuppten sich als ‚Turbo-Klo’. Der Abfluss durchfließt, bevor er in der Wand verschwand, einen Kasten, der wahrscheinlich einen Quirl beinhaltete. Bei Betätigung der Spültaste gab diese besagte Kiste ein Wahnsinnsgeräusch von sich. So versicherten wir uns gegenseitig im Sinne der Nachtruhe auf das Spülen zu verzichten, was dann ganz klar in die Hose ging. Die Geschichte nahm ihren Lauf. Der erste musste mal. Er überquerte den ‚Ganges’, benutzte das Klo und betätigte die Spültaste. Der Heulton setzte ein und der ‚Bauer’ stürzte brüllend auf den Flur: ‚Fliegeralarm!’. Nicht nur wir, sondern auch die anderen Gäste steckten die Köpfe durch die Türen. Beim Anblick des ‚schnaubenden Bauern’ hat aber keiner gemeckert. Eine Dame beendete die skurrile Situation schließlich mit einem coolen Spruch: ‚Das ist aber ein gestandenes Mannsbild.’“Das ist natürlich nur ein kleiner Auszug aus der Geschichte des „Mopped-Clubs Flinker Huf“, welche begleitet ist von Frohsinn und guter Laune, manchmal auch von Haarspitz-Katarrh und Sodbrennen, was bei der massiven Vernichtung von Speisen und Getränken zwangsläufig ist. „Wir hoffen, dass uns allen noch manch ‚lustiges Türchen’ vergönnt ist, unsere ausgewachsene Männerfreundschaft Bestand hat und noch viele Currywürste dran glauben müssen.