Stefanie Schulte zu Besuch in Willingen - Wahl-Amerikanerin kennt ihre Wurzeln

stefanie
Auf ihren Besuch in der alten Heimat hat sich die 28 Jahre alte Willingerin Stefanie Schulte sehr gefreut. Auf ein Wiedersehen mit Vater und Mutter, der Familie und natürlich den vielen Freunden, die sie in der letzten Zeit oft vernachlässigen musste. Grund dafür war der Abschluss ihres einjährigen College-Studiums im Herbst. UPLAND-TIPS hat in den vergangen Jahren den Weg der in Kalifornien lebenden Upländerin verfolgt und bei ihrem Besuch in der alten Heimat die Gelegenheit genutzt, mit ihr ein interessantes Gespräch über ihre Tätigkeit und die Lebenswelten in den USA zu führen. Eines stellt Stefanie dabei schnell klar: Ich vergleiche nicht was hier und dort besser oder schlechter ist. Sonst bekomme ich entweder Heimweh oder ich distanziere mit zu sehr von der Heimat. Ich kenne meine Kultur und meine Bräuche und weiß, wo ich herkomme. Das ist etwas Besonderes und nicht überall so.
Das passt zu ihr, denn sie möchte für sich, ihre Arbeit und ihr Umfeld das Beste herausholen und das gelingt nur, wenn man zufrieden ist, mit dem was man ist und tut. Das war aber nicht immer so. Nach dem Abitur an der Uplandschule 1999 ging Stefanie nach Frankreich, um an der „Sorbonne“ in Paris ein halbes Jahr lang ihre Französischkenntnisse zu verbessern. Anschließend begann sie ihr Studium in Münster. Dort hat sie aber in Studienfächern wie Vergleichende Literatur- oder Kommunikationswissenschaft während der vier Semester nie wirklich ihre Erfüllung gefunden. „Das war´s einfach nicht“, weiß sie heute rückblickend. Also hat sie eine neue Herausforderung gesucht und gefunden: Neuseeland. Dort hat sie während ihres siebenmonatigen Aufenthaltes viele spannende Erfahrungen gemacht, zwischendurch auf Farmen gejobbt und schließlich den Mann ihres Lebens, Aaron, getroffen. „Er wusste, dass ich es war und umgekehrt war es genauso.“ Also Liebe auf den ersten Blick.

Das war im Jahr 2003. Zwei Jahre später hat sie den Amerikaner geheiratet und lebt nun seit 2005 in dem kleinen kalifornischen Städtchen Sebastopol, einer 7.800 Seelen Gemeinde mit vielen russischen und italienischen Einflüssen. Sebastopol liegt nur circa 1,5 Autostunden von San Francisco entfernt. Gemeinsam mit Freunden bewohnen die beiden ein Haus mit großem Garten mit Obstbäumen, wo sie unter anderem Pfirsiche und Kiwis ernten. Und der Strand befindet sich nur wenige Kilometer von ihrem Domizil entfernt. Das junge Paar hat auf einigen Reisen Land und Leute in Nordamerika kennen gelernt. „Dabei sind wir oftmals auf das gerade Wohl aufgebrochen und haben viel Zeit in der Natur verbracht“, weiß Stefanie zu berichten.

Dabei hat sich ihr Wunsch nach einer für sie sinnvollen und erfüllenden Tätigkeit gefestigt, die sich mit den politischen und ökologischen Krisen unserer Zeit auf menschlicher Ebene beschäftigt. Am kalifornischen „New College“ hat sie in einem einjährigen Studium ihren B.A. gemacht. Politische und persönliche Arbeiten standen im Mittelpunkt der Kombination von Sozial- und Geisteswissenschaften, die stark von praktischen Schwerpunkten geprägt und handlungsorientiert waren. „Hier konnte ich völlig neue, alternative pädagogische Konzepte erleben, die ich in Münster vermisst habe.“ Dazu zählten viele Gespräche und Diskussionsrunden und das individuelle Festlegen von Studienschwerpunkten.

Zurzeit geht sie einer interessanten Tätigkeit nach: Dabei geht es darum Jugendliche auf das Erwachsenwerden vorzubereiten. In vertrauensbildenden Gesprächsrunden sollen individuelle Interessen geweckt werden, die den Jugendlichen helfen ein Bewusstsein für ihre zukünftigen Perspektiven und Tätigkeiten zu entwickeln. Etwas, dass sich Stefanie auch zu ihren Schul- und Jugendzeiten gewünscht hätte. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist ihr ein nachhaltiges Bewusstsein für Umwelt und Gemeinschaft. Für die Zukunft möchte sie Konzepte und Strukturen entwickeln, um jugendlichen Schulabgängern den Schritt in das Leben danach zu erleichtern. „Es geht dabei darum den Jugendlichen zuzuhören, ihnen Freiräume zu verschaffen und sie nicht in bestehende Formen zu pressen“, erläutert Stefanie ihren Berufstraum.

Ökologisches Bewusstsein spielt in ihrer kalifornischen Umgebung eine wichtige Rolle. „Dieses Bewusstsein oder auch ökologischer Landbau für eine gesunde Lebensweise und Ernährung sind in unserer Region sehr ausgeprägt“, weist Stefanie die gängigen Vorurteile über die amerikanische Fastfood Gesellschaft zurück. Ihr Mann Aaron arbeitet für eine international tätige Organisation, die unter anderem Aufklärungsarbeit in Sachen Energieressourcen und ökologischer Landbau leistet. Das Barrel Öl (ca. 159 Liter) ist mittlerweile auf über 100 US Dollar gestiegen. Das nehmen natürlich auch die Amerikaner zur Kenntnis, „Kalifornien ist beim Thema Umweltschutz im Vergleich zu anderen Bundesstaaten sehr progressiv.“ Wahrscheinlich ein Grund warum sich Stefanie und Aaron, die sich aufgrund ihrer Berufe mit diesem Themenfeld befassen, dort sehr wohl fühlen.

Allerdings sei noch viel Aufklärungsbedarf notwenig. Eine nachhaltige Verbesserung der Infrastruktur, zum Beispiel die Wiederaufnahme der Bahnstrecken aus dem Umland nach San Fransisco hinein, ist bisher nicht möglich gewesen um den Co2-Ausstoß durch den Autoverkehr zu verringern. Im Rahmen der Aufbruchsstimmung, die Stefanie in den USA kennen gelernt hat, bleibt jedoch noch Hoffnung auf eine stetige Verbesserung der Verhältnisse.

Besuch aus Deutschland kommt aufgrund der Entfernung sehr selten, aber über Internet und Telefon hält Stefanie Schulte den Kontakt zu ihren Freuden. Außerdem versucht sie wie jetzt regelmäßig ins Upland zu kommen. Der nächste längere Besuch ist für den Sommer geplant. Der Entwicklung Willingens steht sie offen gegenüber und ist auch schon mit der neuen Kabinenbahn auf den künstlich beschneiten Ettelsberg gefahren. Auch zu diesem Thema hat die Naturliebhaberin eine Meinung. Trotz der einschneidenden Eingriffe in die Willinger Natur und das Ökosystem sieht sie die wirtschaftliche Notwendigkeit, langfristig Arbeitsplätze auf dem Land zu sichern sowie neue zu schaffen. „Pendler, die mit dem PKW zum Beispiel nach Dormund zur Arbeit fahren müssen, belasten die Umwelt weitaus mehr.“

Bedanken möchte sich Stefanie an dieser Stelle bei ihrer Familie und ihren Freunden, die sie auf ihrem Weg begleitet und unterstützt haben. Dazu zählen auch die Lehrer an der UPS, die ihr geholfen haben ihren eigenen Weg zu gehen. Sicher auch ein Grund, warum sie gern in die Heimat zurückkehrt.