Ärztliche Notfalldienste: War Ausweitung auf den Raum Diemelsee nötig?

Dr. Bodo Flake: „Zusammenschluss ist Vorgabe der kassenärztlichen Vereinigung“
Ein vieldiskutiertes Thema sind die ärztlichen Notfalldienste. Bis vor wenigen Monaten waren es die Upländer gewohnt, einen der fünf Ärzte im Upland (Frau Dr. Sellmann-Richter, Frau Dr. Edelmann, Dr. Dirk Bender, Dr. Bodo Flake oder Herrn Woywood) gemäß ihrer Dienste zu konsultieren, wenn außerhalb der Sprechstunden ein akuter Krankheits- oder Notfall zu beklagen war. 
Das hat sich zum Ende des letzten Jahres geändert und sorgt bei manchen Mitbürgern für Unmut. „Warum muss ich jetzt zum Arzt oder in die Apotheke nach Adorf fahren, wenn mir etwas fehlt?“, lautet die oft gestellt Frage. Denn der Raum Diemelsee ist mit seinen beiden Ärzten Dr. Haesner und Dr. Dzillak aus Adorf sowie der Apotheke Adorf mit dem Notfallbezirk Upland zusammengeschlossen worden.
UPLAND-TIPS Mitarbeiter Sven Schütz hat mit Notdienst-Obmann Dr. Bodo Flake, der die Dienste im Notfallverbund einteilt, ein Gespräch geführt und die Hintergründe für den Zusammenschluss erfahren.
Dr. Bodo Flake: „Zusammenschluss ist Vorgabe der kassenärztlichen Vereinigung“
Ein vieldiskutiertes Thema sind die ärztlichen Notfalldienste. Bis vor wenigen Monaten waren es die Upländer gewohnt, einen der fünf Ärzte im Upland (Frau Dr. Sellmann-Richter, Frau Dr. Edelmann, Dr. Dirk Bender, Dr. Bodo Flake oder Herrn Woywood) gemäß ihrer Dienste zu konsultieren, wenn außerhalb der Sprechstunden ein akuter Krankheits- oder Notfall zu beklagen war. Das hat sich zum Ende des letzten Jahres geändert und sorgt bei manchen Mitbürgern für Unmut. „Warum muss ich jetzt zum Arzt oder in die Apotheke nach Adorf fahren, wenn mir etwas fehlt?“, lautet die oft gestellt Frage. Denn der Raum Diemelsee ist mit seinen beiden Ärzten Dr. Haesner und Dr. Dzillak aus Adorf sowie der Apotheke Adorf mit dem Notfallbezirk Upland zusammengeschlossen worden.
UPLAND-TIPS Mitarbeiter Sven Schütz hat mit Notdienst-Obmann Dr. Bodo Flake, der die Dienste im Notfallverbund einteilt, ein Gespräch geführt und die Hintergründe für den Zusammenschluss erfahren.
 
Herr Dr. Flake, warum ist diese Neuerung erfolgt?
„Hintergrund sind die KV-Richtlinien (kassenärztliche Vereinigung), wonach mindestens zehn Ärzte einen KV-Bezirk im Rahmen der Notdienste bilden. Diese hat einen Sicherstellungsauftrag für die ärztliche Versorgung gegenüber der Regierung und ist verantwortlich, dass ein Notdienst organisiert wird. Das ist eine länderweite. Hier
bei uns ist die Unterbesetzung eine ganze Weile stillschweigend geduldet worden.   
Man muss sich mal vorstellen, dass die Kollegen in Adorf nur zu zweit in einem Verbund waren und sich die Notdienste von Woche zu Woche teilten. Das ist eine enorme Belastung, besonders wenn man nachts zusätzlich zur normalen Zeit aus dem Bett gerufen wird. Die KV hat dann entschieden den Upländer Notdienst mit dem Raum Diemelsee zusammenzuschließen, obwohl auch hier die Zahl von 10 nicht erreicht wird. Gleiches gilt für die Apotheken, die schon einige Monate früher in einem Bezirk zusammengefasst wurden. Allein im Willingen haben wir pro Tag an den Wochenenden oft zwischen 40 bis 60 Personen in der Notfallsprechstunde inklusive Hausbesuchen.
Sicher ist auch das Gesundheitsreformgesetz ein Faktor, denn es wird zusätzlich weiter eingespart. Vieles muss hier differenzierter gesehen werden. Wahrscheinlich ist, dass sogar noch größere Gebiete zu einer Notdienstzentrale zusammengefasst werden, die dann aller Voraussicht nach in Korbach stationiert würde. Der Notdienst im Upland würde aufgelöst. Notfalldienst hätte nur noch die Zentrale in Korbach, die eventuell sogar für das ganze Kreisgebiet verantwortlich wäre. Dort könnten ein oder zwei Kollegen die Notfallversorgung wahrnehmen, während ein weiterer für Hausbesuche zuständig wäre. Hier wird sicherlich eine Sensibilisierung der Menschen einsetzen und man wird sich hoffentlich fragen, was hier überhaupt passiert und was die neuen Reformen bedeuten.“
Wie werden die Notfalldienste eingeteilt?
„Als Notdienst-Obmann stelle ich einen Zwei-Jahres-Plan auf, damit die Dienste gerecht verteilt werden und die Kollegen und ich auch private Verpflichtungen wahrnehmen können. Das klappt in der Regel sehr gut. Wir verteilen die Dienste nicht mehr wöchentlich sondern oft von montags bis donnerstags sowie dann an Wochenenden.“
Uns ist aufgefallen ist, das an Wochenende, wo der Ort Willingen ausgebucht ist, ein Kollege aus Adorf Dienst hat, so auch beim jetzt anstehenden Weltcup-Skispringen. Wäre es nicht sinnvoller hier einen Upländer Arzt mit dem Notfalldienst zu betrauen?
„Das ist richtig. Zum Beispiel beim Weltcup sollen und wollen wir Willinger Ärzte beim Skispringen helfen, als Arzt vor Ort sein und die Versorgung sicherstellen. Das geht nicht, wenn wir Dienst haben. Wenn Ärzte vom Roten Kreuz oder vom Krankenhaus kommen, müsste man diese bezahlen. An der Schanze sind pro Tag fünf bis sechs Ärzte sowie ein fest stationierter Notarzt auch nachts, der natürlich auch für andere Fälle greifbar wäre.
Erfahrungsgemäß ist an solchen Wochenenden nicht unbedingt soviel mehr zu tun. Es ist nicht automatisch so, dass mehr Menschen mehr Notfälle bedeuten, da die Gäste in der Regel gesund hierher kommen.
Mich wundert allerdings, dass viele Gastgeber sich beschweren, dass der Bezirk größer geworden ist. Es sollte doch möglich sein, dass der Gastgeber eben mal die 15 Kilometer nach Adorf, statt fünf Kilometer bis Usseln fährt. Denn es ist trotz der genannten Gründen keine Selbstverständlichkeit einen so gut aufgestellten Notfalldienst – auch nach dem Zusammenschluss – zu haben. Das bestätigen uns auch viele Gäste aus anderen Regionen.
Sicher wird es im Einzelfall auch andere Stimmen geben. Zusätzliche Wochenenddienste außerhalb der Notdienst Versorgung werden auf die budgetierten Leistungen angerechnet, die wir hier zu etwa 30 bis 40 Prozent nicht vergütet bekommen. Arbeit ohne Bezahlung aber mit Unkosten. Sicher schwer verständlich, aber wer würde denn sonst schon umsonst arbeiten!“