Orkan „Kyrill“ und seine Folgen

kyrill
Eine genaue Übersicht über die Anzahl der Schäden, die der Orkan „Kyrill“ angerichtet hat, lässt sich in diesen Tagen noch nicht geben. An vielen Stellen sind die Spuren sichtbar. Die UPLAND-TIPS Leser Holger Lange aus Schwalefeld und Bettina Göbel aus Willingen haben uns einige Fotos zukommen lassen, die eine wage Vorstellung über das Ausmaß der Katastrophe liefern. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm hoch. Auch für einige Upländer Betriebe, wie zum Beispiel den Wild- und Freizeitpark, der wegen Aufräumarbeiten mehrere Wochen geschlossen hatte (siehe Bericht auf Seite 25).
Das Hessische Forstamt Diemelstadt ist für die Region Willingen (Upland) seit der Schließung des Forstamtes im Stryck zuständig. Wir haben mit Forstoberamtsrat Walter Friese ein Gespräch über die aktuelle Situation der heimischen Wälder nach dem Jahrhundertsturm „Kyrill“ der am 18. Januar mit Böen von 200 km/h Geschwindigkeitgewütet hat, geführt

Eine genaue Übersicht über die Anzahl der Schäden, die der Orkan „Kyrill“ angerichtet hat, lässt sich in diesen Tagen noch nicht geben. An vielen Stellen sind die Spuren sichtbar. Die UPLAND-TIPS Leser Holger Lange aus Schwalefeld und Bettina Göbel aus Willingen haben uns einige Fotos zukommen lassen, die eine wage Vorstellung über das Ausmaß der Katastrophe liefern. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm hoch. Auch für einige Upländer Betriebe, wie zum Beispiel den Wild- und Freizeitpark, der wegen Aufräumarbeiten mehrere Wochen geschlossen hatte.
Das Hessische Forstamt Diemelstadt ist für die Region Willingen (Upland) seit der Schließung des Forstamtes im Stryck zuständig. Wir haben mit Forstoberamtsrat Walter Friese ein Gespräch über die aktuelle Situation der heimischen Wälder nach dem Jahrhundertsturm „Kyrill“ der am 18. Januar mit Böen von 200 km/h Geschwindigkeitgewütet hat, geführt
Insgesamt betreut das Forstamt Diemelstadt 22000 Hektar Waldfläche. Dort sind 400.000 Kubikmeter Holz durch den Sturm gefallen. „In „normalen“ Jahren liegen der Einschlag bei circa 6 bis 7 Kubikmetern pro Hektar“, so Friese. Auch die Nachbarbezirke sind arg gebeutelt worden, besonders der Bereich Frankenberg und Marburg-Biedenkopf. In Hessen fielen insgesamt vier Millionen Festmeter (ca. 6 Millionen Bäume) Holz dem Orkan zum Opfer, davon die Hälfte in den genannten Bezirken.
„Natürlich sind die Planungen im vollen Gang“, so Friese. „Das Holz muss aus den Wäldern und verkauft werden. Das ist für viele Waldbesitzer auch ein finanzielles Problem, da die Kosten für die Aufarbeitung und Rückarbeiten in Vorleistung bezahlt werden müssen.“
Ein weiteres Problem sind im kommenden Frühling die steigenden Temperaturen. Gefahr droht hier insbesondere durch den Befall von Borkenkäfern und Pilzbefall. Daher werden schnellstmöglich „Nasslager“ geschaffen, da der Abtransport der riesigen Mengen nicht so schnell erfolgen kann.
„Im Upland ist die Situation besonders schlimm. Wir sind nicht in der Lage genau zu beziffern, wie hoch dort die Schäden sind. Nach ersten Erhebungen sind es circa 135.000 Kubikmeter Holz im Raum Willingen/Dielmelsee. Die Aufarbeitung kann hier noch nicht sofort erfolgen. Ein Konzept ist aber in Arbeit.“
Natürlich sind die wichtigsten Wege von umgestürzten Bäumen befreit worden. Das gilt z. B. auch für den Uplandsteig. Dennoch wird es Einbußen im Wanderbereich geben. Eine aktuelle Karte der zu begehenden Wanderwege findet man im Internet unter www.uplandsteig.de. Die Aufarbeitung der Forstwirtschaftswege, die eben auch als Wanderwege genutzt werden muss aber in allen Fällen den Sicherheitsaspekten genügen. „Das hat verständlicherweise oberste Priorität“, macht Friese deutlich.
Neben den vielen Nachteilen, die das Sturmtief „Kyrill“ gebracht hat, kann man aber auf vielen Wegen nun eine freie Aussicht genießen, wo es vorher keine gab, denn Fichtenbestände von zum Teil bis zu 140 Jahren haben das typische Gesicht der Wälder im Upland ausgemacht, die nun ein völlig neues Erscheinungsbild bekommen haben.Ein Blick Richtung Ettelsberg oder vom Hochheideturm genügt.
„Die Zeit wird die Wunden heilen. Aus forstwirtschaftlichen Gründen wird hauptsächlich Fichte gepflanzt und nur zu 30% Buche.“ Den Pflanzen fehlt jetzt aber der Schutz der großen Bäume, so dass es in Zukunft zu sehr dichten Beständen kommen wird, da eine natürliche Regulierung nicht möglich ist.
Während einer Pressekonferenz mit dem Hessischen Umweltminister, Wilhelm Dietzel im Café Aufwind an der Mühlenkopfschanze Anfang Februar betonte dieser, dass sich gerade in einer solchen Krisenzeit die Stärke der hessischen Forstorganisation zeige. Der Landesbetrieb Hessen-Forst und seine Forstämter seien Garant dafür, dass auf regionaler und lokaler Ebene waldbesitzartenübergreifend die jetzt dringend erforderliche Koordinationen zwischen privaten und kommunalen Waldbesitzern bei Arbeitseinsätzen und dem Holzverkaufes zustande kämen. Hessen-Forst kann mit seinem flächendeckenden Beratungs- und Serviceangebot der Forstämter in dieser Situation besonders seine bewährte Fachkompetenz und Stärke zeigen.
Auch Ettelsberg-Hüttenwirt Siggi von der Heide zeigt sich optimistisch, was die Behebung des entstandenen Schadens angeht: „Wir müssen jetzt damit leben, aber ich bin sicher, dass eine schnelle Arbeit im Sinne des Tourismus geleistet wird.“ Ebenso wie seine Gäste ist er vom Ausmaß der Katastrophe geschockt. „Der Waldboden und das Wurzelwerk konnten den Windböen von zum Teil über 200 Kilometer pro Stunde nicht standhalten und die Bäume hier bei uns auf dem Ettelsberg sind umgeknickt wie Streichhölzer.“
Forstoberamtsrat Friese betont, dass es nicht am weichen Waldboden gelegen habe, dass das Ausmaß so groß ist. „Bei gefrorenem Boden wären weitaus mehr Bäume abgeknickt!“
Wer sich derzeit in den Wald begibt, sollte sich über die drohenden Gefahren im Klaren sein und sich an die Absperrungen halten. Es droht weiterhin Unfallgefahr durch gelöste oder schräg stehende Bäume, die jederzeit zu Boden fallen können sowie durch gebrochene Äste. Daher sind Weg- und Flächensperrungen besonders zu beachten.