Harald Wilke: „Angebot im öffentlichen Personennahverkehr erheblich verschlechtert!“

haraldwilke

In unserer Serie stellen wir diesmal einen Kommunalpolitiker aus den Reihen der FWG vor. Mit Harld Wilke aus Neerdar ist dies sogar der Ortsvorsteher des kleinen Uplanddorfes, das gemeinhin auch das Tor zum Upland bezeichnet wird. Der 48-jährige Verwaltungsangestellte beim Landkreis Waldeck-Frankenberg hat 28 Jahre beim Sozialamt in unterschiedlichen Aufgabenbereichen gearbeitet. Im vergangenen Jahr ist er in
Fachdienst Finanzen der Kreisverwaltung gewechselt. Neben den Tätigkeit beim Fachdienst Finanzen ist er auch noch Geschäftsführer der Alten- und Pflegeheime des Landkreises gGmbH sowie der Service-GmbH. Zu seinen Hobbys zählt der zweifache Familienvater das Wandern und eben die ehrenamtlichen Tätigkeiten, wie z. B. in der Neerdarer Kyffhäuser Schützenkameradschaft e. V.


? Herr Wilke, schildern Sie unseren Lesern doch bitte Ihren politischen Werdegang.
! Fr die rtlichen Belange habe ich mich schon immer interessiert und so kam es, dass ich seit 1985 im Ortsbeirat Neerdar mitarbeite. Seit 1993 bin ich Ortsvorsteher meines Heimatortes. In der ersten Wahlperiode im Ortsbeirat habe ich im Rahmen einer Veranstaltung einen damaligen Gemeindevertreter auf die meines Erachtens unzureichende Beteiligung des Ortsbeirates bei Entscheidungen der politischen Gremien angesprochen. In Folge des Gesprchs kam dann das Angebot, in der Freien Whlergemeinschaft mitzuarbeiten. Seit 1989 bin ich Mitglied der Gemeindevertretung und in der aktuellen Legislaturperiode Mitglied des Haupt- und Finanzausschusses und des Abwasserverbandes Oberes Aartal`. Privat engagierte ich mich in den rtlichen Vereinen und bin Schriftfhrer der Neerdarer Kyffhuser Schtzenkameradschaft e. V.
? Welche politischen Projekte der Gemeinde Willingen (Upland) bewegen Sie im Moment am Meisten? Wo wrden Sie Kritik ben, was ist Ihrer Meinung nach Positiv und wo muss der Hebel in Zukunft angesetzt werden?
! Als grtes Zukunftsprojekt sehe ich den Schuldenabbau an. Das Finanzkonzept drfen wir nicht aus den Augen verlieren. Es wird zwar vielfach von rentierlichen Schulden gesprochen, aber auch sie mssen zurckgezahlt werden. Wir schaffen zwar Vermgenswerte fr die Zukunft, aber unsere Kinder wollen auch Wnsche und Ideen umsetzen und dazu brauchen sie dann auch finanzielle Spielrume. Bei den Beitrgen und Gebhren bewegen wir uns auch im oberen Bereich, die Schmerzgrenze fr den Brger ist meines Erachtens erreicht.
Welche Projekte mich weiter bewegen wird bei einem Blick in den Haushalt deutlich. Es sind dies die Beschneiung, die anstehenden Kanalbau- und Straenbaumanahmen und die Modernisierung des Haus des Gastes.
Der Beschneiung haben auch wir als FWG-Vertreter grundstzlich zugestimmt, aber haben in Redebeitrgen in der Gemeindevertretung mehrfach deutlich gemacht, dass wir klare und eindeutige vertragliche Regelungen zwischen der Gemeinde und den Liftbetreibern, aber auch zwischen den Liftbetreibern untereinander fordern.
Bezglich der Klranlagen hat die Gemeinde ihre Hausaufgaben gemacht. Die brigen Investitionen, ob Kanal- oder Straenbau werden entscheidend von den finanziellen Mglichkeiten geprgt.
Kritisch wird von mir nach wie vor die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke Korbach-Willingen gesehen. Es war zwar keine unmittelbare Entscheidung der Gemeinde Willingen, aber durch die Einstellung des Schienenersatzverkehrs hat sich insbesondere in den unteren Ortsteilen das Angebot im ffentlichen Personennahverkehr erheblich verschlechtert. Helfen knnte eine direkte AST-Verbindung zwischen Korbach und Willingen. Whrend der Schienenersatzverkehr fr die Gemeinde keine Belastung darstellte, ist die Gemeinde beim AST-Verkehr auch finanziell gefordert. Positiv ist zweifelsohne, dass die im Gemeindegebiet befindlichen Viadukte im Rahmen der Wiederinbetriebnahme grundlegend saniert wurden.
Bei all den Events und Groprojekten drfen wir die alltglichen kleinen Dinge, die den Brger bewegen, nicht aus den Augen verlieren. Der Unterhaltung und Instandhaltung der ffentlichen Einrichtungen muss auch in Zukunft ein besonderes Augenmerk geschenkt werden. Eine kaputte Bank an einem Wegesrand macht einen schlechteren Eindruck als wenn berhaupt keine Bank dort stehen wrde. Durch den gemeindlichen Bauhof wird meines Erachtens eine gute Arbeit geleistet, die es meines Erachtens zu untersttzen gilt.
? Die FWG wird bei der Hessenwahl 2008 erstmals seit 1978 bei einer Landtagswahl wieder kandidieren. Was halten Sie von dieser Entscheidung zumal die Kreisspitze diese Entscheidung nicht positiv bewertet hat?
! Ich bin kein Befrworter der Teilnahme an der Landtagswahl. Die Strke der Freien Whler liegt eindeutig auf der kommunalen Ebene. Insbesondere in den Stdten und Gemeinden, in denen wir uns ehr schwach prsentieren, wird es schwierig den Wahlkampf personell und finanziell zu organisieren. Ein Vorteil liegt sicherlich in einer greren Prsenz in der Medien und der staatlichen Finanzierung der im Landtag vertretenen Parteien. Aber unsere Identitt steht auf dem Spiel. Da die Strukturen der Stdte und Gemeinden unterschiedlich sind, hat jede FWG bisher aufgrund sachlicher Gesichtspunkte frei und unabhngig Entscheidungen treffen knnen. Wir haben uns bisher in kein Schema zwngen lassen und dies sollte so
bleiben.
Was macht fr Sie eine typische Politik der Freien Whler Gemeinschaft aus?
! Unser Wahlslogan lautete: Unabhngig ist unsere Strke. Grundstzlich ist zwar jeder Kommunalpolitiker frei in seinen Entscheidungen, aber bei der FWG ist dies sicherlich ausgeprgter als bei Parteimitgliedern. Unsere Arbeit konzentriert sich auf den rtlichen Bereich, den wir kennen und wo wir einschtzen knnen, was wichtig und richtig ist. Vertreter der Parteien mssen hingegen oft Rcksicht auf landes- bzw. bundespolitische Belange nehmen. Fr mich wre seinerzeit der Eintritt in eine Partei nicht in Frage gekommen.
? Welches Ziel oder welchen persnlichen Traum mchten Sie in der Zukunft noch verwirklicht sehen?
! Fr die Realisierung von persnlichen Trumen fehlen meist die finanziellen Mittel. Grtes Ziel der Gemeinde muss es sein, sich wieder finanzielle Spielrume zu verschaffen. Im brigen zeigt das Finanzkonzept die knftigen Ziele eindeutig auf. Die Lsung der Verkehrsprobleme insbesondere in der Kerngemeinde Willingen halte ich fr enorm wichtig, aber finanziell stehen da andere in der Verpflichtung.
? Was ist fr sie der Grund fr ihr ehrenamtliches Engagement?
! Mir macht ehrenamtliches Engagement Spa. Ich mchte untersttzend dabei mitwirken, dass sich die Grogemeinde Willingen und der Ortsteil Neerdar weiterentwickeln, denn Stillstand ist Rckschritt und den will ich nicht. Wnschen wrde ich mir mehr Eigeninitiative der Bevlkerung und nicht immer nur die Erwartung, dass die Gemeinde alles regelt. Ein Arbeitseinsatz und das sich anschlieende Beisammensein knnen schner sein, als ein Abend vorm Fernseher. Die ehrenamtliche Arbeit geht allerdings oft zu Lasten meiner Familie, die mich aber stets untersttzt hat und wofr ich dankbar bin.
Was liegt Ihnen denn als Neerdarer besonders am Herzen?
! Freuen wrde ich mich ber eine Belebung unseres Baugebietes und ber eine Entlastung der Bevlkerung durch den zunehmenden Schwerlastverkehr und die Raserei innerorts. Auf der Wunschliste des Ortsbeirates steht die Aufnahme ins Dorferneuerungsprogramm. Hier stehen in Krze richtungweisende Beschlsse der gemeindlichen Gremien an. Ein Ziel der Dorferneuerung ist es, die Wohnverhltnisse in den Ortskernen zu verbessern. Die Frderung des Erhalts, der Umnutzung, des Ausbaus und der Erweiterung von vorhandener Bausubstanz in den Ortslagen halte ich fr wichtig, um ein Aussterben der Ortsteile zu verhindern. Natrlich gehren zur Dorferneuerung auch kommunale Manahmen. Nach meiner Einschtzung wrde sich der finanzielle Aufwand fr kommunale Manahmen in Neerdar dafr im Rahmen halten und das gesamte Ortsbild und die drfliche Gemeinschaft positiv beeinflussen. Ein Handlungsfeld der Gemeinde knnte z.B. die Errichtung eines Dorfplatzes vor dem Dorfgemeinschaftshaus als Treffpunkt fr Einheimische, Gste und Wanderer sein. Dieser Platz sollte das DGH, den Spiel- und Bolzplatz, das Feuerwehrgertehaus und den Festplatz miteinander verbinden. Weitere Ziele sind den Spielplatz ansprechender zu gestalten, eine behindertengerechte Toilette im DGH zu schaffen und die Umgestaltung des Bachlaufs der Neerdar.