Kooperation Heimat- und Geschichtsverein Willingen e.V. mit UPLAND-TIPS

damals
Die Betrachtung und das Interesse an geschichtlichen Ereignissen, sowie Erzählungen dieser erlebt in unserer Gesellschaft erfreulicherweise eine Renaissance.
Diesem gestiegenen Interesse möchte der Heimat- und Geschichtsverein Willingen e.V. in Verbindung mit dem monatlich erscheinenden Informationsorgan unserer Upländer Heimat, UPLAND-TIPS, gerne nachkommen. In den nächsten Ausgaben sollen Auszüge aus den Bücherbänden Willingen gestern und heute veröffentlicht werden.
Aktuell sind in den Medien zurzeit wieder Ereignisse aus den Kriegstagen und deren Folgen zu beobachten, welche deutschlandweit auf breites Interesse stoßen. Mit einem Auszug aus Jost Bangerts Bericht Willingen im Zweiten Weltkrieg (Band 1 Willingen - gestern und heute) soll die UPLAND-TIPS Reihe beginnen.

Auch Willingen bleibt im Zweiten Weltkrieg nicht verschont. Angst und Sorge waren allgegenwrtig. Allein 76 Brger unseres Dorfes fielen als Soldaten an allen Fronten zwischen Afrika und dem Polarkreis, erlagen ihren Verwundungen oder kamen bei Luftangriffen ums Leben. Das Schicksal von 19 Vermiten konnte bis heute nicht geklrt werden.
Besonders gegen Ende des Krieges rissen die Bomberstrme, die Willingen berflogen und den Himmel voller Kondensstreifen zeichneten, nicht ab. Zur Tuschung der deztschen Abwehr abgeworfene Stanniolstreifen hingen in den Bumen wie Lametta. Anfang des Krieges strzte eine Ju 52 auf dem Treis ab und spter eine Me 109 in der Nhe des Richtplatzes. Ein bungslager der Deutschen Wehrmacht zum Hrtetraining fr Russland befand sich im Buchenwald am Rande der groen Heide. Im Pionierheim, dem spteren Eichenkreuzheim, erholten sich verwundete Soldaten.
Auf dem Ettelsberg richtete die Luftwaffe eine Wetter- und Nachrichtenstation mit einem 38 m hohen Turm ein.
Eine der zwei Kirchenglocken holte man ab, um sie als Buntmetall einzuschmelzen.
1944 sollte ein Hydrierwerk zur Herstellung synthetischen Benzins in den Stollen der Willinger Schiefergrube Christine eingerichtet werden. Zahlreiche schwere Kessel, Tanks und Werkzeugmaschinen lagerten am Bahnhof. Das Material wurde mit einer Kleinbahn transportiert, deren Gleise vom Bahnhof ber Briloner Strae Korbacher Strae-Kirchstrae Schwalefelder Strae bis zur Grube verlegt waren. Eine Schneise vom Viadukt durch den Orenberg hatte man bereits begonnen, um den Bau eines direkten Gleisanschlusses zu ermglichen.
In der Nhe des Bahnhofs in Eimelrod fiel bereits am 03. Februar 1945 ein zugehrendes Materiallager einem Bombenangriff zum Opfer. Zahlreiche Fremdarbeiter und Kriegsgefangene hausten in einem Barackenlager auf dem damaligen Sportplatz am Viadukt und in der Volksschule.
Die zunehmende Unsicherheit fhrte auch in Willingen zur Aufstellung einer Dorf- und Flurwache. Die lteren und jngeren Mnner, die noch nicht zur Wehrmacht eingezogen waren, zogen als bewaffnete Streifen durch das Dorf und die Felder.
Whrend ihrer Freizeit mussten sie mit Panzerfaust fr den Volkssturm ben oder Fremdarbeiter und Gefangene bewachen.
Die allgegenwrtigen Tiefflieger beherrschten den Luftraum und griffen alles an, was sich auf den Feldern und Straen bewegte. Aus den abgeworfenen Zusatztanks wurden noch Jahre nach dem Krieg kleine Boote gebaut. Einen Tieffliegerangriff auf den Nachmittagszug von Korbach nach Brilon-Wald erlebten viele Willinger Schler am 25.09.1944 am Bahnhof Lelbach Rhena. Folgenschwer war der nchste Angriff am 24.10.1944. 14 Menschen kamen dabei ums Leben, darunter die beiden 14-jhrigen Willinger Schler Christian Saure und Helmut Wilke sowie Feldwebel Schmid, der in Willingen einen Genesungsurlaub verlebte. Drei Willinger Schler wurden schwer verletzt.
Am 20.03.1945 griffen englische Jagdflugzeuge einen deutschen Munitionszug am Bahnhof in Willingen an. Der Zug war mit schwerer Artilleriemunition beladen. Achtundzwanzig Wagen explodierten. Einzelteile flogen bis nach Rattlar und Bontkirchen. Die Huser Karl Kesper-Schr, Wilhelm Kesper-Geilen, Witwe Heinrich Gerhard, der Bahnhof, das Sgewerk Kesper im Lingenpuhl, die Scheune Heinrich Wilke-Schusterhaus und die Scheune Gerstengabe Rtes sowie einige Behelfsheime gegenber dem Bahnhof, in denen Ausgebombte aus dem Ruhrgebiet lebten, wurden vllig vernichtet. Alle anderen Huser in Bahnhofsnhe erhielten mehr oder weniger schwere Beschdigungen. Die tiefere Lage des brigen Dorfes verhinderte weitere Zerstrung. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.
Mehr hierber gibt es in den folgenden UPLAND-TIPS. Fr diejenigen, die es nicht abwarten knnen, oder gerne weitere Informationen und auch nette Anekdoten aus der Heimatgeschichte erfahren mchten, knnen die Bcherbnde Willingen gestern und heute bei der Tourist Information im Rathaus fr 13 bis 15 (je nach Band) kuflich erworben werden.