Aktuelles Interview mit Bürgermeister Thomas Trachte

Gemeinsam die negative Erscheinungen des Clubtourismus eindämmen
Alle Jahre wieder wird in Willingen in regelmäßigen Abständen über die Auswüchse des Club-Tourismus diskutiert. Aktuell ist es wieder einmal soweit, und Bürgermeister Thomas Trachte scheint nicht gewillt, die derzeitigen Auswüchse in Sachen Vandalismus und Gewalt, die eine bislang nicht gekannte Dimension erreicht haben, unter den Teppich zu kehren. Unter der Regie des Rathauschefs wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die schnell Ergebnisse und eine Verbesserung der Situation erreichen möchte. Ihr gehören u. a. auch Hoteliers und Gastronomen an. Aus aktuellen Anlass haben wir ein Interview mit Thomas Trachte geführt.

? Herr Trachte, der Clubtourismus in Willingen hat in Sachen Gewalt und Vandalismus bislang ungeahnte Ausmae erreicht. Auch Ihnen bleiben diese unschnen Szenen am Wochenende nicht verborgen. Sicher wissen Sie mehr als alle anderen, denn die Brgerinnen und Brger melden Ihnen bzw. Ordnungsamtleiter Dieter Pollack ganz sicher so einiges Anfang der Woche? Was kann die Gemeinde kurzfristig tun, um diesen Dingen Einhalt zu gebieten? Sie haben eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die kurzfristig Lsungen erarbeiten soll. Wie ist da der Stand der Dinge?
! Im Hinblick auf die einleitenden Worte mchte ich ausdrcklich darauf hinweisen, dass keinesfalls der Eindruck entstehen darf, die Gemeinde sei bisher gewillt gewesen, negative Auswchse des Clubtourismus unter den Teppich zu kehren. Die Gemeinde hat sich immer wieder mit den Problemen befasst und auch Manahmen ergriffen, wobei eine wirksame Lsung der Probleme wegen der vielseitigen betroffenen Interessengruppen und der Vielzahl der Akteure sehr schwierig ist. Abgesehen davon ist nicht der Wochenendtourismus allgemein das Problem. Im Gegenteil: einen qualitativ guten Wochenendtourismus braucht Willingen zurzeit, um wirtschaftlich auf dem heutigen Niveau bestehen zu knnen. Das Problem sind die schwarzen Schafe, die es leider in diesem Segment zur Genge gibt und die sich nicht benehmen knnen oder wollen. Fr alle Beteiligten, d. h. die Beherbergungsbetriebe, die Gastronomiebetriebe und die Gemeinde ist es zuweilen sehr schwierig, die guten Wochenendgste in Willingen zu behalten und die schlechten Gste davon zu trennen bzw. Manahmen zu ergreifen, die den einen schonen und den anderen treffen. Gleiches gilt brigens auch fr den Tagestourismus, der in seiner positiven Form ebenfalls ein wichtiges Segment fr Willingen darstellt.
Genau diese Komplexitt des Problems hat mich zu der Auffassung kommen lassen, dass hier nur ein gemeinschaftliches Vorgehen zwischen Betrieben, Gemeinde und Polizei zu wirksamen Lsungen fhren kann. Schlielich versucht schon heute jeder fr sich, die negativen Erscheinungen des Clubtourismus einzudmmen. Keinem ist es egal, wenn in dessen Betrieb oder auf den Straen starke Strungen auftreten. Jedoch arbeitet jeder fr sich und die Manahmen (z. B. ordnungsrechtliche Manahmen der Gemeinde, Sicherheitsdienste in den Betrieben, betriebspolitische Manahmen einzelner Betriebe, Manahmen der Polizei) sind nicht aufeinander abgestimmt. Sollte hier eine Abstimmung gelingen und wir in Willingen gemeinsam die Lsung der Probleme anstreben, glaube ich, sind Verbesserungen zu erzielen. Diese Verbesserungen brauchen wir allerdings auch sehr dringend, weil ansonsten unser schner und zurzeit in Deutschland sicher auch fhrender Fremdenverkehrsort immer mehr an Marktanteilen verlieren wird. Der kurzfristige Umsatzgewinn zu Lasten der Urlaubsqualitt an Wochenenden im Ort wird mittel- und langfristig zu schweren Nachteilen fhren. Eine Positionierung im Qualittstourismus, wie es die Gemeinde mit ihrem Marketingkonzept anstrebt, wird dann immer schwieriger und irgendwann einmal sogar unmglich. Unabhngig von der touristischen Komponente fr Willingen ist auch die Lebensqualitt fr einen groen Teil der hier lebenden Menschen beeintrchtigt. Diese beiden Aspekte sollten wir bedenken und damit alle die Dringlichkeit einer Lsung unserer Probleme erkennen.
Die von mir gegrndete Arbeitsgruppe besteht aus dem Gemeindevorstand, einem Vertreter der Polizei und Vertretern der Betriebe, die sich angeschlossen haben und von denen ich glaube, dass auf dieser Ebene erste Ergebnisse erzielt werden knnen. Ich erwarte solche erste Ergebnisse noch im Juli dieses Jahres und werde die ffentlichkeit dann darber informieren. Das Arbeitsgremium befasst sich nicht mit irgendwelchen Schulddiskussionen, weil es in meinen Augen keine Schuldfrage gibt. Es gibt ein Problem, das es zu lsen gilt. Dabei wird es darum gehen, Manahmen festzulegen, die dazu beitragen, dass zuknftig auch in den Hauptclubzeiten der hoffentlich auch weiterhin vorhandene Wochenendgast eine angemessene Urlaubsqualitt in Willingen erwarten darf. Es geht nicht um die Zerschlagung des Clubtourismus, sondern um die Eindmmung der negativen Begleiterscheinungen. Es geht nicht darum, den Wochenendgast aus Willingen zu vertreiben, sondern im Rahmen der Mglichkeiten die Gstegruppen, die wir alle nicht wollen, so weit wie mglich auszugrenzen bzw. den Ort fr dieses Klientel unattraktiver werden zu lassen. Wenn wir mit der bestehenden Arbeitsgruppe erste Ergebnisse haben, mssen wir auf der dann geschaffenen Basis versuchen, immer weitere Betriebe und Bereiche in das Handlungskonzept einzubinden. Eine allgemeine Bewusstseinsbildung und die Strkung des Gemeinschaftssinns halte fr einen ganz wichtigen Ansatzpunkt.
Wie aber soll dies nun erreicht werden? Zunchst mchte ich berzogenen Erwartungshaltungen vorbeugen. Strungen wird es immer geben und - wie bereits gesagt - eine Problemlsung ist selbst bei bestem Willen aller Beteiligten schwierig. Aber vielleicht gelingt es uns, die Auswchse wenigstens einzudmmen. In den ersten zwei Sitzungen hat die Arbeitsgruppe erste Anstze entwickelt, die sich auf ordnungspolitische Manahmen der Gemeinde, betriebspolitische Manahmen der Betriebe und eine zustzliche Untersttzung durch die Polizei beziehen. Diese Anstze werden zurzeit von allen Beteiligten weiter geprft und sollen in der nchsten Sitzung konkretisiert werden. Genaue Einzelheiten mchte ich an dieser Stelle noch nicht darstellen, weil wir noch in der Arbeitsphase sind und ich nicht vorgreifen mchte. In jedem Fall sind die ersten zwei Arbeitssitzungen uerst positiv gelaufen und ich erhoffe mir aus dieser Initiative gute Ergebnisse.
? Was raten Sie den Vermietern, wie Sie zuknftig mit dem Clubtouristen umgehen sollen, um Schlimmeres zu vermeiden? Man schaut ja allen Gsten wie es so schn heit- immer nur vor den Kopf.
! Auch damit befasst sich der Arbeitskreis. Es sollen u. a. sowohl Empfehlungen fr die Betriebsinhaber als auch fr die Gste erarbeitet werden. Wenn die Ergebnisse vorliegen, werden wir diese an die Vermieter weiterleiten. Besonders wichtig ist meiner Meinung, dass im Rahmen der Mglichkeiten die Problemgruppen im Vorfeld aufgesprt und dann nicht eingebucht werden. Natrlich ist dies sehr schwierig, aber dennoch zumindest teilweise nicht unmglich und wird einigen Betrieben auch praktiziert.
Abschlieend hoffe ich auf Verstndnis und auf die Bereitschaft zur Mitarbeit an der Lsung unserer Probleme bei allen Beteiligten im Ort.