
Immer auf der Suche nach einer interessanten Geschichte sind wir in Usseln fündig geworden. Ein fleißiger UPLAND-TIPS Leser hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass in der Tierarztpraxis Stolpe kein Dienst nach Vorschrift gemacht wird. Vielmehr seien dort kompetente, engagierte und idealistische junge Damen am Werk, die weitaus mehr für die Tiere im Upland tun, als es ihr Dienstplan oder die Richtlinien verlangen. Gern sind wir dem Wunsch nachgekommen und haben ein nettes Gespräch geführt.
Die Tierarztpraxis Stolpe in Usseln liegt in der Mittelstraße. Auf dem Weg dorthin fällt mir als Katzenbesitzer auf, dass ich sowohl mit Jackie, Charlie als auch jetzt mit unserer Katze Maxi seit ich denken kann zum Tierarzt nach Usseln fahre. Früher war es die Tierarztpraxis Mietze bzw. die Gemeinschaftspraxis Mietze/von Seher in der Sportstraße, dann die Praxis Kallenbach und nun die Praxis Stolpe. Das Praxisteam dort besteht aus der Tierärztin und Praxisleiterin Carolin Stolpe, Dr. Simone Krebs und der Auszubildenden Friederike von Elverfeldt. Nach dem Studium in Gießen hat Carolin Stolpe eine Menge Erfahrung in der Gynäkologie und Geburtshilfe der Veterinäruniklinik Gießen, in einer größeren Pferdeklinik sowie in einer Gemischtpraxis für Groß- und Kleintieren gesammelt. 2005 hat sie die Praxis in Usseln übernommen. Der Kontakt zu Thomas Kallenbach, der gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Martina Reher die Praxis führte, ist schon während der gemeinsamen Arbeit in Gießen entstanden. Ganz neu im Team, ist Dr. Simone Krebs. Sie verfügt über eine abgeschlossene Ausbildung als Landwirtin sowie ein Tiermedizinstudium, in dessen Anschluss sie an der Uni Leipzig ihre Kenntnisse vertiefen und praktische Erfahrung sammeln konnte. Dritte im Bunde ist Friederike von Elverfeldt. Sie absolviert seit einem Jahr eine Ausbildung als Tiermedizinische Fachangestellte und sorgt für einen reibungslosen Praxisablauf und assistiert bei Operationen, Untersuchungen oder im Labor. Ein kompetentes und freundliches Team für die Upländer Pferde, Klein- und Nutztiere. In der einzigen Tierarztpraxis Upland ist der Arbeitsaufwand sehr groß. Somit sind zwei Tierärzte zwingend notwendig. Schließlich müssen auch die Notfalldienste abgedeckt werden. Das Schöne in der Praxis ist aber, dass beide Ärztinnen sowohl Klein- als auch Großtiere behandeln und sich damit die Notfalldienste teilen können. So bleibt auch Platz für Freizeit und Erholung. Überdies unterstützt die Praxis gemeinnützige Aktionen, ist Mitglied in der Landestierärztekammer, dem Bundesverband praktischer Tierärzte, der Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft und unterstützt den Tierschutzverein Bullterrier in Not. Der Tagesablauf ist in der Regel immer gleich, aber nie langweilig. Morgens um acht beginnt die Planung der Großtierbehandlung. Das betrifft in erster Linie die Bauerhöfe oder Pferdestallungen. Ambulante Behandlungen, Besamungen oder Nachbehandlungen werden durchgeführt. Pünktlich um 11.00 Uhr beginnt dann die freie Sprechstunde in der Mittelstraße 12b. Größere Angelegenheiten wie Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen und Operationen werden vorher terminlich vereinbart und ab 12.00 Uhr behandelt. Natürlich ist man flexibel und legt auch mal einen Hausbesuch in die Mittagszeit. Zeit für eine ausgedehnte Mittagspause bleibt nicht oft. Da gehen die Vierbeiner vor. Schließlich ist ab 15:30 bis 17:00 Uhr die zweite Sprechstunde. Im Anschluss steht erneut der Besuch der Großtiere an. Mittwochs ist jedoch eine Abendsprechstunde zwischen 19.00 und 20.00 Uhr eingerichtet. Der Tag ist damit komplett ausgefüllt, denn es warten ja auch noch Labortätigkeiten und Büroarbeit im Praxisalltag . Aber dennoch ist in der Tierarztpraxis Stolpe kein Tag wie der andere, das bringen das große Leistungsspektrum und unvorhersehbare Notfälle mit sich. Obwohl es sich um eine eher kleine Landpraxis handelt, ist hier mit einer großen Ausstattung eine ganze Menge möglich. Dazu zählen natürlich vielerlei Operationen, Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen, ambulante und stationäre Behandlungen, Laboruntersuchungen im eigenen Labor, Impfungen, Geburtshilfe und vieles mehr. Besonders das Labor ermöglicht zum Beispiel schnelle Blut-, Harn-, oder Kotuntersuchungen. Besonders bei den Kleintieren – das wissen alle Katzenbesitzer – kommt es immer mal zu unvergesslichen Situationen, wenn die eigensinnigen Samtpfoten ihren Kopf durchsetzen möchten. „Natürlich gibt es auch schlimme Erfahrungen, die ans Herz gehen, besonders wenn man die Tiere eine längere Zeit begleitet hat“, weiß Carolin Stolpe zu berichten. An erster Stelle steht für das Team jedoch zu helfen, wo es möglich ist. Leider ist manchmal die einschläfernde Spritze der letzte Ausweg. „Ich kenne aber keinen Tierarzt, der dies gern macht. Für die Notfallpatienten am Wochenende zeigt das Team großes Verständnis. „Mir ist es lieber die Besitzer kommen direkt zu mir, als noch ein oder zwei Tage zu warten bis es dem Tier dann ganz schlecht geht.“ Dabei hat sie festgestellt, dass die Herrchen oder Frauchen mit ihrem Haustier sehr sensibel umgehen, da sie den Schmerz oder das Leid des Tieres nicht einschätzen können und daher auch wegen vermeintlich geringerer Malheure den Weg zum Tierarzt suchen. „Das ist mir aber bedeutend lieber, als diejenigen Besitzer, die aus Bequemlichkeit die Gesundheit ihres Tieres auf´s Spiel setzten oder versuchen diese selbst mit Mitteln aus dem Medikamentenschrank zu versorgen“, so Carolin Stolpe. Im Unterschied zu ihren bisherigen beruflichen Erfahrungen hat die sympathische Tierärztin ein besonderes Verhältnis der Bauern zu ihren Nutztieren festgestellt. Das mag vielleicht am ländlichen Raum liegen, denn die Besitzer kennen die Charaktere sowie die Krankengeschichten ihrer Tiere sehr genau. Vielleicht ist es genau dieses Stück heile Welt, warum die Arbeit den drei Damen große Freude bereitet. Eine Geschichte zum Abschluss darf nicht unerwähnt bleiben, denn sie steht exemplarisch für die Philosophie der Praxis jederzeit für alle Fälle gewappnet zu sein. Dabei ging es um einen Notfall, der eigentlich kein echter Notfall war. Eine aufgeregte Frau rief mitten in der Nacht an und bat um Hilfe. Am Ort des Geschehens, der Wohnung der Dame, hatte sich eine Fledermaus ins Schlafzimmer verirrt. Aus Angst sah sie keine andere Möglichkeit, als den tierärztlichen Notdienst zu rufen. Der kam und konnte der Frau in Not, sowie dem sicher genauso verängstigten Tier helfen. Ende gut alles gut. Es müssen eben nicht immer die spektakulären Dinge sein, sondern vielmehr sind es die kleinen Dinge, die Vertrauen und Sympathie schaffen. Der Tierarztpraxis Stolpe ist dies gelungen.
Sven Schütz