
„Olympia-Aus für Damen-Skispringen 2010 ist eine riesige Enttäuschung für mich“
Vor 15 Jahren ist Jenna Mohr in ihrem Heimatverein TuS Usseln zum ersten Mal mit dem Skispringen in Kontakt gekommen. Damals war sie gerade fünf Jahre alt. Heute ist die 20-jährige eine der erfolgreichsten Skispringerinnen in Deutschland und ein Aushängeschild des Ski-Club Willingen, für den sie seit vielen Jahren startet. Bei der Sommertournee der Skispringerinnen mit Stationen in den USA hat sie als beste Deutsche den fünften Platz in der Gesamtwertung belegt. Sensationell hatte Jenna den Auftakt in Bischofsgrün vor ihrer Vereinskameradin Anna Häfele gewonnen.
Die ehemalige Uplandschülerin absolviert derzeit eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, Fachgbereich Sport, die sie im Sommer nächsten Jahres abschließt. Danach möchte sie sich der Sportfördergruppe der Bundeswehr anschließen. Zu den Hobbys der sympathischen Nachwuchsathletin zählen Slacklinen (Balancieren auf einem Seil zwischen Bäumen, die Red.) zur Stärkung des Gleichgewichts, Klettern, Lesen und Musik.
? Jenna, zunächst erst einmal herzlichen Glückwunsch nach dem fünften Platz in der Gesamtwertung des Sommer Grand Prix. Du scheinst nach Deinen schweren Verletzungen mit den zwei Kreuzbandrissen wieder voll angreifen zu können. Was sagst Du selbst zu den Resultaten mit dem Auftaktsieg in Bischofsgrün?
! „Vielen Dank für die Glückwünsche. Ich bin sehr zufrieden mit den Resultaten und mit mir selbst. Ich habe in der Vorbereitung hart trainiert, hatte aber keinerlei Erwartungen unter die Top Ten zu springen. Mit einem Sieg hatte ich schon gar nicht gerechnet. Somit war es sehr überraschend und erfreulich für mich und sicherlich auch für meine Trainer. Nach dem Sieg konnte ich die Tournee ohne Druck, den ich eigentlich ja auch nicht hatte, und mit Harmonie durchspringen. Der fünfte Platz ist mein bestes Ergebnis aber sicherlich noch ausbaufähig.“
? Damen-Bundestrainer Daniel Vogler zählt Dich auch im Winter fest zu den „gesetzten“ Top-Springerinnen. Wie sind Deine Erwartungen und Ziele für den kommenden Winter?
! „Ehrlich gesagt habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht; möchte ich auch gar nicht, denn wenn es dann doch nicht so kommt wie ich es mir vorstelle oder wie ich es mir ausgerechnet habe, dann werde ich sicherlich enttäuscht sein und mir den Kopf darüber zerbrechen wieso und warum. Ich genieße es und werde, wie mein Trainer sagt, mit Harmonie springen. Was letztendlich dabei raus kommt, wird man sehen.“
? Wie sieht die Vorbereitung bis dahin aus? Wann steht der erste Wettkampf auf Schnee an?
! „Bis Ende Oktober trainiere ich noch Kraft, danach werde ich mit der Schnellkraft anfangen und hoffen, dass es irgendwo Anfang bis Mitte November eine Möglichkeit geben wird, auf Schnee zu springen. Der erste Wettkampf ist am 11.Dezember in Notodden in Norwegen. Danach geht es weiter nach ins finnische Lahti.“
? Ein großer Traum von Dir, in Vancouver 2010 bei den Olympischen Spielen an der Start zu gehen, ist geplatzt. Das Olympische Komitee hat sich gegen die Aufnahme des Damen-Skispringens in das Programm entschieden? Was sind für Dich die Gründe dafür?
! „Ich weiß, dass es im Internet eine Umfrage gab, ob Damenskispringen oder Ski-Cross aufgenommen werden soll. Laut der Abstimmung hatte Frauenskispringen deutlich mehr Prozent als Ski-Cross. Doch Ski-Cross ist bei den Männern ein angesehener „cooler“ Sport, der dem TV hohe Zuschauerquoten garantiert. Daher wurde diese Disziplin, die deutlich weniger Damen als Skispringen betreiben, ins olympische Programm aufgenommen. Wenn es nur darum geht, welcher Sport in der Öffentlichkeit angesehener und präsenter ist, dann frage ich hier, was sieht wohl reizvoller aus: Eine Frau einem schwarzen, hautengen Unterziehanzug oder eine Frau mit Skihosen bis zum Po gezogen? So etwas ist sehr enttäuschend, nicht gerecht und hat nichts mehr mit dem Sport zu tun. Aber deswegen geben wir bzw. ich nicht so kampflos auf. Schließlich bin ich 2014 auch noch nicht zu alt, um bei Olympia zu starten.“
? Ist die Tatsache ein Trost, dass Damenskispringen 2009 in Liberec erstmals im Programm der Nordischen Ski-WM steht?
! „Ein Trost ist es ganz gewiss nicht, aber die Ski-WM steht im Stellenwert unmittelbar hinter Olympia und man sollte die WM auch nicht so unterbewerten. Es ist schließlich die Weltmeisterschaft, und sicherlich wird das TV spätestens dann auf uns aufmerksam. Letztendlich werden wir da beweisen können, dass man uns nicht „verstecken“ sollte.
An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich ganz herzlich für die Unterstützung meines Arbeitgebers, der Firma Kettschau in Korbach, sowie meinen Heim- und Nationaltrainern und ganz besonders bei meiner Familie zu bedanken sowie natürlich auch beim Ski Club Willingen, der mich seit 14 Jahren unterstützt..“