
Wenn eine ehrgeizige junge Sportlerin durch eine hartnäckige Verletzung aus der Bahn geworfen wird, nicht richtig trainieren kann und Wettkämpfe in weite Ferne rücken, dann ist der Schmerz nicht nur körperlich, sondern auch mental. „Das tut schon weh“, sagt die 22-jährige Biathletin Steffi Müller vom Ski-Club Willingen, die durch ihre Ausbildung bei der Bundespolizei alle Freiheiten für das Training hat. Sie versucht derzeit aus dieser unbefriedigenden Situation durch die langwierige Entzündung im Ellenbogen das Beste zu machen. Dass ihre Laune sicher schon besser war, versteht sich von selbst. Im aktuellen Gespräch mit UPLAND-TIPS-Herausgeber Dieter Schütz offenbarte die sympathische Schwalefelderin ihren Gemütszustand.
TIPS: Steffi, Hand aufs Herz, wie geht es Dir im Moment? Ich habe Dich kürzlich an der Biathlonanlage mit nur einem Stock trainieren sehen. Das tut ja schon beim Zuschauen weh…
Steffi Müller:“Ja, das stimmt leider. Die Verletzung macht mir sehr zu schaffen, jetzt schon seit über zwei Monaten. Und das besonders, weil ich noch nie wirklich verletzt war. Es kam nach einer Schubeinheit wie angeflogen, von jetzt auf gleich. Schmerzen im Ellenbogen. Da habe ich mir zunächst nicht so viel bei gedacht. Ich habe dann Physiotherapie gemacht, war bei ganz vielen Ärzten und bin sogar bis nach Potsdam zu einem Spezialisten gefahren. Es soll eine chronische Entzündung der Sehne sein. Und das geht mir im wahrsten Sinne des Wortes auf den Nerv.“
TIPS: An eine vernünftige Saisonplanung mit Training und Wettkämpfen ist da sicher nicht zu denken.
Steffi Müller: “Die ersten Leistungsüberprüfungen sind ja schon ohne mich gelaufen. Die Trainer werden beraten müssen, was sie mit mir machen, denn im November stehen die ersten Wettkämpfe an. Was mir in Prozenten fehlt, kann ich nicht sagen. Grundlagenausdauertraining zum Beispiel auf dem Fahrrad oder beim Laufen kann ich ja machen. Was mir fehlt, sind die speziellen Trainingseinheiten für Biathlon. Es ist schon schwer, denn gerade das alleine trainieren ist überhaupt nichts für mich. Ich brauche einfach die Gruppe.“
TIPS: Lass’ uns trotzdem positiv nach vorne schauen und über die Saison sprechen!
Steffi Müller: “Ich hoffe, dass die Verletzung möglichst bald so schnell wieder geht wie sie kam. Die Saison möchte ich auf keinen Fall abhaken. Es ist ja erst mein zweites Jahr bei den Damen. Der Druck war zwar auch schon im Juniorenbereich da, aber jetzt geht es um den Anschluss. Wer in Deutschland mit einem Ausnahmetalent wie Magda Neuner an der Spitze dabei ist, der ist weltklasse. Es geht für mich um einen Startplatz im Europacup, denn ich konnte mich leider nicht mir Ergebnissen empfehlen. Eine weitere Teilnahme an einer Europameisterschaft wäre toll. Mein Traum ist es, den Sprung ins Weltcup-Team zu schaffen. Die Sicherheit durch die Bundespolizei, wo die Ausbildung jährlich von April bis August statt findet, ist natürlich wichtig für mich. Denn nach meiner sportlichen Laufbahn werde ich später in den Polizeidienst eintreten.
Auch vom SC Willingen bekomme volle Unterstützung und Rückendeckung, auch wenn es wie zurzeit nicht so gut läuft. Wenn ich da noch an den Empfang von Caro Hennecke und mir nach der erfolgreichen Junioren-WM beim Weltcup an der Mühlenkopfschanze vor Tausenden von Zuschauern denke, dann war das ein absoluter Höhepunkt. Am meisten zu tun habe ich mit Biathlon-Fachwart Carsten Schneider, der sich um alle organisatorischen Dinge kümmert. Aber natürlich pflege ich auch zu Trainer Robert Kabucov Kontakt. Sie haben alle ein offenes Ohr für mich, das zeichnet den SCW ja auch besonders aus. Kürzlich habe ich mit dem Vorsitzenden Walter Frosch über meine Verletzung gesprochen, der hatte auch gleich eine neue Idee und hat einen weiteren Arzt organisiert. Danken möchte ich vor allem auch meinem langjährigen Partner Gunnar Puk, der als früherer Leistungssportler ein prima Verständnis für mich und meine aktuelle Situation hat, mir sehr gut hilft und mich immer wieder aufbaut.
TIPS: Steffi, ich wünsche Dir alles Gute und eine schnelle Genesung. Kopf hoch, es kommen sicher auch wieder bessere Tage mit Licht am Ende des Tunnels und neuen sportlichen Erfolgen.